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Fahrberichte - 3B – Bike, Beer & Barbecue Gravel Ride

Wenn du eine kurze Liste der Voraussetzungen für eine nicht wettbewerbsorientierte Gravel-Ausfahrt mit deinen Freunden in den Hügeln von Rheinland-Pfalz erstellen würdest, würdest du wahrscheinlich Sonnenschein, schöne Ausblicke und großartige Strecken aufnehmen. Den Organisatoren der jüngsten 3B-Gravel-Ausfahrt ist es gelungen, all das zu bieten – plus einige besondere Extras wie Bike, Bier und Barbecue –, damit der Tag richtig rund läuft. Timo Rokitta war vor Ort, hat alles aufgesogen und uns einen großartigen Fahrbericht geschickt.

Es gibt Veranstaltungen, bei denen man sich fragt, ob man sich aus Versehen für ein Radrennen angemeldet hat – und dann gibt es den 3B – Bike, Beer & Barbecue Gravel Ride. Eine Ausfahrt, die so sehr betont, kein Rennen zu sein, dass man fast misstrauisch wird. Keine Zeitnahme, kein Stress, nur „Du, Dein Gravelbike und jede Menge Spaß“. Was in etwa so klingt, als hätte jemand versucht, die Tour de France mit einem Grillabend zu kreuzen – und dabei das Wichtigste behalten: das Bier.

Die vierte Auflage dieses rheinland-pfälzischen Abenteuers führt durch das hügelige Rheinhessen südlich von Mainz, eine Gegend, die nicht ohne Grund als „Toskana Deutschlands“ bezeichnet wird. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass es in der echten Toskana weniger Gegenwind gibt und die Schotterwege nicht versuchen, dich aktiv vom Rad zu werfen.

2026 jedenfalls wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: vier komplett neue Strecken, von moderaten 57 Kilometern bis hin zu einer 124-Kilometer-Route für Menschen, die entweder sehr fit sind oder sich einfach gern selbst hinterfragen. Gefahren wird nach GPS-Track – was bedeutet, dass man sich ein paar Tage vorher mit seinem Gerät anfreundet und hofft, dass es einen nicht in einen Weinberg ohne Ausgang schickt. Verpflegungsstationen gibt es auch, unter anderem am Fahrradmuseum in Gau-Algesheim, was ungefähr der einzige Ort ist, an dem man sich gleichzeitig fragt, ob man weiterfahren oder einfach einziehen sollte.

Kurz nach 10 Uhr geht es los. Ich bin mit Carsten und Sven unterwegs. Sven ist kein Mensch, er ist eine Maschine. Mehrfach für die Gravel-WM qualifiziert, tritt er mit einer Mischung aus Eleganz und Bedrohlichkeit in die Pedale. Carsten hingegen kenne ich von einem Pavé-Gravelride – was bedeutet, dass wir beide zumindest wissen, wie sich Leiden auf Kopfsteinpflaster anfühlt.

Die Strecke macht keine falschen Versprechungen. Nach einer kurzen, etwas ruppigen Abfahrt geht es direkt bergauf, und mir wird klar, dass „kein Rennen“ offenbar nur eine philosophische Haltung ist. Praktisch gesehen fahren wir ziemlich zügig. An einer Betonfuge erwischt es Carsten: Durchschlag. Wenige Kilometer später hat er nur noch 0,5 bar im Reifen – was ungefähr dem Luftdruck in einem müden Luftballon entspricht.

Während Carsten seine elektrische Pumpe in Betrieb nimmt und flucht, zeigt Rheinhessen seine hübsche Seite: gelbe Rapsfelder, blauer Himmel, sanfte Hügel. Es ist fast idyllisch, wenn man ignoriert, dass der Untergrund ständig zwischen Beton, Schotter und Gras wechselt wie ein DJ mit Aufmerksamkeitsdefizit.

Dann kommt die „Diritissima“. Zwei Kilometer lang, steil, auf grobem Kopfsteinpflaster. Der Jakobsberg erhebt sich vor uns wie eine schlecht gelaunte Festung. Der Track windet sich nach oben, und ich beginne ernsthaft, meine Lebensentscheidungen zu überdenken. Oben angekommen wird man allerdings belohnt: ein Blick über den Rhein, hinüber zum Taunus, und irgendwo in der Ferne winkt die Germania vom Niederwalddenkmal, als wolle sie sagen: „Selbst schuld.“

Die Abfahrt ist nicht weniger anspruchsvoll – steil, lose, schnell genug, um interessante neue Geräusche vom eigenen Fahrrad zu hören. In Gau-Algesheim erreichen wir schließlich die erste Verpflegungsstation am Fahrradmuseum. Es gibt Snacks, Getränke und diese wunderbare Stimmung, bei der man sich gleichzeitig erholen und sofort wieder losfahren möchte.

Carsten entscheidet sich hier klugerweise für Letzteres – allerdings ohne uns. Unser Tempo hat ihm den Stecker gezogen. Sven und ich ziehen weiter, jetzt über schmale Singletrails Richtung Rhein. Ein alter Treidelweg führt uns direkt am Wasser entlang. Wasservögel planschen, der Fluss glitzert, und für einen kurzen Moment fühlt sich alles sehr friedlich an. Natürlich hält das nicht lange. Die nächsten Anstiege zurück in die Hügel sind sandig, tückisch und verlangen dem Gravelbike alles ab - die Räder schlingern, die Beine brennen - Gravel pur. 

Erst im Selztal wird es wieder flüssiger. Die Wege werden schneller, der Rhythmus kommt zurück, und nach der zweiten Verpflegungsstation rollen wir – halb regeneriert, halb euphorisch – Richtung Ziel. Ganz ohne Gemeinheiten geht es natürlich nicht. Vor dem Finish warten noch einige dieser typischen Kopfsteinpflasterpassagen. Doch mit Rückenwind fühlt sich selbst das plötzlich leicht an. Wir fliegen förmlich über die Wege – oder zumindest rede ich mir das ein.

Gemeinsam mit Sven rolle ich schließlich aufs Zielgelände. Gravelbikes werden im bewachten Parc Fermé abgestellt – ein Moment, der sich fast professionell anfühlt, bis man merkt, dass es gleich Wurst gibt.

Und dann passiert das, worum es beim 3B eigentlich geht: Man sitzt zusammen, isst, trinkt das hauseigene Craft Beer, tauscht Geschichten aus und tut so, als hätte man die ganze Zeit alles im Griff gehabt. Gegen Abend wird noch verlost – allerdings nur unter denen, die um 18 Uhr noch da sind. Was im Grunde die perfekte Ausrede ist, einfach sitzen zu bleiben.

Der 3B Gravel Ride ist kein Rennen. Wirklich nicht. Es ist nur ein ziemlich ambitionierter, wunderschöner, gelegentlich gnadenloser Tag auf dem Rad – der am Ende mit Bier und Barbecue belohnt wird. Und ganz ehrlich: So sollte jede gute Geschichte enden.

Wenn du in Timos Reifenspuren folgen möchtest, findest du seine Route hier:

Timo Rokitta

Timo ist ein äußerst begeisterter Gravel-Fahrer aus Deutschland. Er ist in ganz Europa unterwegs und kombiniert die Teilnahme an Langstrecken-Gravel- und Bikepacking-Events mit geselligen Gravel-Ausfahrten. Als Veranstalter von Events kann man ihn entweder auf einem Moots, einem OPEN UP, einem Allied Able oder sogar auf einem in den 1970er Jahren umgebauten Klapprad für den Gravel-Einsatz sehen!

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