Wenn die Wettergötter es gut mit dir meinen, ist das Radfahren im Herbst einfach spektakulär – die Farben leuchten mit unglaublicher Intensität, das Knirschen der Reifen auf dem Laub wird zur Melodie, und in den Wäldern liegt eine friedliche Stimmung, während sie sich auf den Winter vorbereiten. Timo Rokitta war im Pfälzerwald im Südwesten Deutschlands unterwegs und hat die perfekte herbstliche Gravel-Route zusammengestellt. Lies weiter, um alle Details zu erfahren.
Der Herbst hat seine eigene Magie. Wenn die Wälder leuchten, die Luft klar ist und das Laub unter den Reifen raschelt, beginnt für Gravelbiker die schönste Zeit des Jahres. Jetzt ist der Moment, das Bike aus der Garage zu holen und dorthin zu fahren, wo die Pfalz in Farbe explodiert: in den Pfälzerwald. Zwischen goldenen Weinbergen, stillen Tälern und uralten Forsthäusern entfaltet sich eine Landschaft, die wie geschaffen ist fürs Gravelbiken – abwechslungsreich, geschichtsträchtig, fordernd und doch friedlich.
Es ist früh, als ich in Bockenheim am Haus der Deutschen Weinstraße starte. Mein Ziel ist es, den Track der Pfalzlands Permanenten Gold zu fahren. Die Dunkelheit hängt noch über den Reben, die Luft ist kühl, und das Summen des Freilaufs hallt leise durch die Stille. Schon nach wenigen Metern zieht sich die Strecke hinauf in die Weinberge. Die ersten Höhenmeter brennen in den Beinen, doch mit dem Sonnenaufgang kommt die Belohnung: Nebelschwaden tanzen über der Rheinebene, und die Hänge der Weinberge leuchten in sanftem Gold.

Die ersten Kilometer fließen – Schotter, Asphalt, dann wieder feuchte Erde. Hinter Eisenberg wird der Wald dichter, die Geräusche werden dumpfer. Der verwunschene Eiswoog, ein stiller See inmitten des Stumpfwaldes, begrüßt mich mit glitzerndem Wasser und einem Eisenbahnviadukt, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Auf dem Barbarossaradweg geht es weiter bis Enkenbach-Alsenborn. Der Wald öffnet sich, und plötzlich stehe ich vor der Villa von Fritz Walter – dem Helden des „Wunders von Bern“. Eine kurze Pause, ein Moment Geschichte, dann wieder in den Sattel.
Der Weg führt unter der Autobahn A6 hindurch und hinab nach Frankenstein. Schnell, flüssig, frei. Im Leinbachtal rauscht das Wasser neben mir, der Schotter knirscht. Ich folge dem Verlauf des Baches bis Waldleiningen. Ein harter Anstieg endet an einem verfallenen Forsthaus, bevor der Trail in die Wolfsschlucht abtaucht. Hier wird das Gravelbike zum Abenteurer: Der Downhill ist zuerst wild, holprig, technisch, dann schnell, flüssig – und einfach großartig.

Unten im Elmsteiner Tal wartet der nächste Anstieg. Steil, schweißtreibend, mit Passagen jenseits der 20 Prozent. Doch oben, auf der Hochebene, öffnet sich der Blick über ein Meer aus Farben. Der Herbst zeigt hier, was er kann. Der Eschkopfturm steht auf 608 Metern und markiert den höchsten Punkt des Tages. Ein stiller Ort mit Aussicht und Geschichte: Hier stand einst ein optischer Telegraf, Teil der Linie Mainz–Paris, mit der Napoleon Botschaften übermitteln ließ. Heute schweift der Blick über endlose Wälder – und ich fühle mich, als wäre ich ganz allein auf der Welt.
Der Trail hinunter zum Hermersberger Hof ist technisch anspruchsvoll, aber fließend. Über Wurzeln und alte Steinstufen balanciere ich das Rad hinunter ins Wellbachtal. Danach folgt der nächste Anstieg, die Trinkflaschen sind leer, die Beine schwer. Doch am „Neuen Brunnen“ sprudelt kaltes Quellwasser aus dem Fels – eine Erfrischung, die besser schmeckt als jeder Energy Drink.
Die Hochstraße ist ein Traum für Gravelbiker – ein welliger, fein geschotterter Höhenzug, der wie ein natürlicher Flowtrail durch den Wald führt. Rechts und links glühen die Bäume in Orange und Rot, das Licht fällt schräg durch die Äste. Ich fliege über den Schotter, spüre jeden Atemzug, jede Kurve. Das ist Freiheit – pur und still zugleich. Doch die Ruhe trügt: Der höchste Berg der Pfalz wartet.
Mit 673 Metern ist die Kalmit der höchste Gipfel des Pfälzerwaldes – und die Königin dieser Tour. Der letzte Anstieg zieht sich, aber oben ist alles vergessen. Vom Kalmithaus aus reicht der Blick bis in den Odenwald, das Rheintal liegt in goldenem Abendlicht.

Die Abfahrt führt direkt zum Hambacher Schloss, dem Symbol der deutschen Demokratie. Hier, 1832, versammelten sich 25.000 Menschen, um für Freiheit und Bürgerrechte zu demonstrieren. Geschichte, Schweiß, Landschaft – alles verschmilzt zu einem Moment. Der Track führt weiter über das Weinbiet und das legendäre Lambertskreuz, dem ältesten Steinkreuz der Pfalz. Die Sonne sinkt schneller als gedacht, der Himmel färbt sich rot. Der Wald wird langsam still. Nur das Knirschen des Schotters und der Atemrhythmus bleiben. Im Dunkeln erreiche ich den Ungeheuersee. Das Licht meiner Lampe tanzt über die Wurzeln, Nebel steigt auf. Und dann, nach fast zwölf Stunden, glitzert das Lichtermeer der Rheinebene unter mir. 220 Kilometer, 4.000 Höhenmeter – eine Gravelreise durch den Herbst, die bleibt.
Zurück am Haus der Deutschen Weinstraße bin ich erschöpft, aber glücklich. Der Pfälzerwald hat alles geboten: Flow, Herausforderung, Geschichte, Stille – und dieses goldene Licht, das nur der Herbst kennt.
Die Pfalzlands Permanente ist mehr als nur eine Graveltour – sie ist ein Erlebnis. Im nächsten Jahr wird es neue Routen geben: Gold, Silber, Bronze – für jedes Level, aber mit derselben Seele. Wer den Herbst sucht, findet ihn hier – zwischen Schotter, Weinbergen und Wäldern.
Wenn du mehr über die Gravelbike-Möglichkeiten in der Pfalz erfahren möchtest, schau dir Timos Website an.